RSS feed

Editorial

Juristische Übersetzungen gab es im Journal of Specialised Translation seit seiner ersten Ausgabe im Januar 2004. Das Thema ist immer wieder in einzelnen Aufsätzen aufgetaucht, besonders in der von Karen Seago et al. herausgegebenen Ausgabe über Verbrechen und Übersetzung im Jahr 2014 (Ausgabe 24). 2017 bietet JosTrans seinen Lesern eine Sonderausgabe zur Rechtsübersetzung mit dem Titel Qualität in der jursitischen Übersetzung an, die von Hendrick H.J. Kockaert und Nadia Rahab herausgegeben wird. Die Ausgabe zeigt die Ergebnisse des von der Europäischen Gemeinschaft finanzierten Projekts QUALETRA, das von einem Konsortium aus Universitäten, Berufsverbänden und anderen Interessenvertretungen unter der Leitung der KU Leuven durchgeführt wurde, als Antwort auf die EU Direktive 2010/64/EU zum Recht auf Dolmetschen und Übersetzen in Strafverfahren.

Das der Ausgabe zugrundliegende Konzept ist Qualität – ein Konzept, das der Erforschung der juristischen Übersetzung immer wichtig war. Insbesondere verbindet es Theorie und Praxis der Rechtsübersetzung. Prieto Ramos sieht darin die treibende Kraft für Praxis und Forschung: „ Die Forderung nach Qualität hat sowohl die Anerkennung der juristischen Übersetzung als Berufspraxis besonders im multilingualen Kontext, als auch seine Entwicklung als akademisches Fach vorangetrieben“ (2015:12).

Diese Ausgabe betrachtet die Qualität der jursitischen Übersetzung aus verschiedenen Perspektiven und zeigt ihre mannigfaltigen Gesichter. Sie enthält das Vorwort der Herausgeberin, neun Forschungsberichte, einen Beitrag zum Translator’s Corner und ein Interview. In erster Linie wird die Qualität der Rechtsübersetzung als jurisitisches Verfahrensrecht angesehen (Brannan, Cavoski). Zweitens wird e s auf der Makroebenedurch die Übersetzer (die geforderten Kompetenzen (Scarpa und Orlando), die Zusammenarbeit mit staatlichen Behörden, Gerichtshöfen und ihren Vertretern (Hara) angegangen. Drittens sind Hilfsmittel wie multilinguale jurisitische Datenbanken (Chioccchetti et al.) wichtig. Ausserdem wird die Qualität auf der Mikroebene der Übersetzungslösungen untersucht (Paplucci, Ross und Magris, Kroogsgaard Vesterager). Schließlich wird die Qualität der Forschung angesprochen (Interview mit Engberg).

Insgesamt betont diese Ausgabe die zentrale Bedeutung der juristischen Übersetzung für den Bereich der Fachübersetzung sowohl als für die akademische Entwicklung und methodische Verbesserung der juristischen Übersetzung als akademisches Fach.

Literaturhinweis
  • Prieto Ramos, Fernando (2015). “Quality Assurance in Legal Translation: Evaluating Process, Competence and Product in the Pursuit of Adequacy.” International Journal for the Semiotics of Law 28, 11-30.

Łucja Biel (trans. Liselotte Brodbeck)